Die Schwierigkeiten im Bäckerhandwerk und strukturelle Probleme haben zur Insolvenz der Bäckerei KH GmbH aus Hünxe geführt, die die Kette Bäckerei Karl betrieben hat. Rechtsanwalt Mark Steh konnte aber einige Filialen an Übernehmer übertragen.

Im März 2018 hatte die Bäckerei KH GmbH aus Hünxe die Bäckerei Karl und deren Filialen aus einer Insolvenz heraus übernommen. Jetzt hat das Unternehmen selbst Insolvenz anmelden und die Produktion einstellen müssen. Rechtsanwalt Mark Steh aus der vornehmlich in der Insolvenzverwaltung tätigen Kanzlei hammes. aus Duisburg ist vom Amtsgericht Duisburg zum Insolvenzverwalter der Bäckerei KH bestellt worden. Er sagt: „Mangels Interesse von Investoren hat die Schuldnerin die Produktion am Standort Hünxe Ende Mai auslaufen lassen. Bei Antragstellung wurden 42 Verkaufsfilialen im Ruhrgebiet und Rheinland unterhalten. Zuletzt waren noch 30 Filialen in Betrieb. Die übrigen Filialen mussten aufgrund struktureller Mängel, auslaufender Mietverträge sowie erheblicher Defizite in der Personalführung und dadurch bedingter Personalengpässe geschlossen werden. Für viele Filialen, die derzeit geschlossen sind, suchen wir weiterhin Interessenten.“ Von den 200 betroffenen Mitarbeiter haben jedoch viele bereits wieder neue Arbeitsplätze gefunden, einige Filialen konnte der Rechtsanwalt an Investoren veräußern.

Mark Steh betont, dass das Unternehmen von Beginn an nicht kostendeckend geführt worden sei – wie schon der Vorgängerbetrieb. Vor der Übernahme im April 2018 wurden monatliche Verluste im sechsstelligen Bereich erwirtschaftet. Diese wurden in der Folge zwar reduziert, von einer Kostendeckung war das Unternehmen aber weit entfernt. „Die wirtschaftliche Schieflage rührte zum einen daher, dass das Bäckerhandwerk sich generell aufgrund der sich verändernden Marktbedingungen in einer Krise befindet und bereits viele größere Bäckereien Insolvenz anmelden mussten. Die Konkurrenz durch Discounter und Supermärkte macht der Branche zu schaffen.“ 

Zum anderen sei die Produktionsstätte in Hünxe für die Anzahl an zu beliefernden Filialen überdimensioniert gewesen und es habe Schwierigkeiten bei der Übernahme umsatzstarker Filialen im Rahmen der übertragenden Sanierung gegeben. Die Produktionshalle sei für die Belieferung von mindestens 120 Verkaufsfilialen ausgelegt gewesen, zuletzt sei aber nur ein Viertel hiervon von der Schuldnerin betrieben worden. Darüber hinaus seien falsche Managemententscheidungen getroffen worden, unter anderem bei der Besetzung von Führungspositionen und der allgemeinen Personalplanung.

Daher sei auch eine Sanierung der Bäckerei KH GmbH nicht möglich gewesen. „Die wirtschaftliche Substanz des Unternehmens hat dazu nicht ausgereicht, obwohl wir alles daran gesetzt haben, etwa durch die vorläufige Betriebsfortführung und Kostendeckungszusagen gegenüber betriebsnotwendigen Lieferanten Energie- und Telekommunikationsunternehmen und Warenlieferanten“, fasst Mark Steh zusammen. Er hatte auch für drei Monate das Insolvenzgeld vorfinanziert, damit die Mitarbeiter ihr Gehalt beziehen konnten.