Am 01.02.2013 hatte das Amtsgericht Duisburg das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Flachglas Wesel GmbH eröffnet und die Eigenverwaltung angeordnet. Erstmals in den Jahren 2011/2012 war ein Insolvenzverfahren anhängig; die Schuldnerin bzw. ihre Berater (Kanzlei Buchalik Brömmekamp GmbH, Düsseldorf) hatten seinerzeit einen Insolvenzplan aufgestellt, die Sanierung scheiterte letztlich, was zu einer erneuten, der gegenwärtigen Insolvenz führte.

Der eigenverwaltenden Flachglas Wesel GmbH und ihren Beratern, die das Unternehmen seit mehr als 2 Jahren beraten haben, ist es auch in diesem zweiten Insolvenzverfahren nicht gelungen, das Unternehmen zu sanieren. Die geplanten Umsätze und Erträge konnten nicht annähernd erreicht werden. Die Entwicklung einer neuen Produktgruppe (sog. „LUMI“ – selbstleuchtendes Glas, das nach vorheriger Beleuchtung mehrere Stunden selbständig leuchtet und insbesondere im Sicherheitsbereich verwendet werden sollte) war zwar vielversprechend, jedoch hätte eine längere Verlust- und Markterschließungsphase finanziert werden müssen. Die hierzu erforderlichen Mittel in geschätzter Millionenhöhe wurden nicht zur Verfügung gestellt, weder von Investoren noch von den Gesellschaftern. Beiträge der Stakeholder hätten nur zu einer kurzfristigen Deckung der fortlaufenden Verluste gereicht.

Im März 2013 trat der Geschäftsführer (und ehemalige Alleingesellschafter) Winfried Vengels von seinem Amt zurück. Unmittelbar nach der ersten Gläubigerversammlung am 18.04.2013 legte auch der Sanierungsgeschäftsführer, Herr Rechtsanwalt Frank Thiele, sein Amt nieder, der wesentliche unternehmerische Impulse gesetzt und sein Amt unabhängig ausgeübt hatte. Er hatte in der Gläubigerversammlung umfassend über den Zustand des Unternehmens und bestehende Risiken berichtet. An seiner Stelle wurde ein Mitarbeiter der Kanzlei Buchalik Brömmekamp GmbH, Herr Heinz-Peter Derrix-Belau, als neuer Sanierungsgeschäftsführer bestellt.

Die Flachglas Wesel GmbH hat am 14.05.2013 einen Antrag auf Aufhebung der Eigenverwaltung gestellt, dem das Insolvenzgericht Duisburg nach Anhörung in der zweiten Gläubigerversammlung am 06.06.2013 stattgegeben hat. Dem Unternehmen standen nach Durchführung des halbjährigen Eigenverwaltungsverfahrens keine relevanten liquiden Mittel mehr zur Verfügung, so dass der Insolvenzverwalter, Herr Rechtsanwalt/ Diplom Betriebswirt Dirk Hammes, Duisburg, den Geschäftsbetrieb einstellen musste, nachdem die Gläubigerversammlung dies einstimmig beschlossen hatte. Eine Ausproduktionsplanung lag weder im Unternehmen vor, noch war sie von den Beratern vorbereitet worden.

Von der Insolvenz sind insgesamt 121 Mitarbeiter betroffen. Insbesondere den betroffenen Mitarbeitern und ihren Familien gilt unser Dank für die Mitarbeit in schwierigen Jahren und die besten Wünsche für die Zukunft.

Das Unternehmen, Betreiberin des in Duisburg und Umgebung bekannten „Seehaus an der Wedau", hatte am 16.11.2012 Insolvenzantrag gestellt. Das attraktive Restaurant und der unmittelbar am Bertasee gelegene Biergarten war im Jahr 2009 von Unternehmen der Hellmich-Gruppe in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadion des MSV Duisburg errichtet worden. Der Betrieb mit insgesamt 44 Arbeitnehmern konnte vollständig aufrechterhalten werden und wird nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch einen neuen Betreiber fortgeführt. Diese für die Gläubiger positive Sanierung ist durch den engagierten Einsatz der Mitarbeiter und die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Vertreter der Vermieterin, insbesondere Herrn Walter Hellmich, möglich geworden. Das Verfahren wird beim Amtsgericht Kleve unter dem Geschäftszeichen 32 IN 129/12 geführt.

Apell gegen „Extrem sorglosen Umgang mit dem Gesetz (ESUG)“

Die Tätigkeit als (vorläufiger) Sachwalter scheint in einigen Fällen mit einem veränderten Pflichtbewusstsein und einem „Loyalitätswechsel“ – weg vom Insolvenzgericht und der Gläubigergemeinschaft, hin zum Sanierungsberater – verbunden zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, wenn arrivierte Insolvenzverwalter ihre Anzeigepflichten wider besseres Wissen verletzen mit dem Ergebnis, dass ihre Ungeeignetheit qua Beschluss attestiert wird. Einen solchen Fall hat das Amtsgericht Kleve mit Beschluss vom 30.01.2013 (34 IN 38/12) entschieden.


Unabhängig vom genannten Fall werden offensichtlich die professionellen Sanierungsberater und nicht mehr primär die Insolvenzgerichte als Auftraggeber lukrativer Verfahren identifiziert. Die Gefahr von Pflichtverletzungen für den vorläufigen Sachwalter beginnt, wenn das Verfahren nicht eigenverwaltungswürdig ist, also der Antrag des Schuldners auf Anordnung der vorläufigen Eigenverwaltung gem. § 270a Abs. 1 InsO bei objektiver Betrachtung offensichtlich aussichtslos ist. Offensichtlich aussichtslos ist der Antrag insbesondere dann, wenn ihm bei Amtsübernahme Umstände bekannt sind oder später bekannt werden, die erwarten lassen, dass die Anordnung zu Nachteilen für die Gläubiger führen wird (§ 270 Abs. 2 Nr. 2 InsO). Macht das Gericht von seinem Recht Gebrauch und bestellt neben einem vorläufigen Sachwalter einen (personenverschiedenen) Sachverständigen, so müsste dies schon aus Eigeninteresse beim vorläufigen Sachwalter nicht nur zu gesteigerten Aufsichtsbemühungen, sondern auch zu konsequenter Berichts- und ggfs. Anzeigenerstattung führen.